Die Frage nach der richtigen Anzahl an Wechselsets lässt sich rechnen und muss nicht geschätzt werden. Nötig sind dafür drei Werte: die Anzahl der Einheiten in einem Zeitraum, die Umlaufzeit eines Sets und ein Puffer für Abweichungen. Aus diesen drei Größen ergibt sich ein Mindestbestand, der anschließend nach Größen aufgeteilt wird. Der häufigste Fehler besteht darin, die Mitgliederzahl als Ausgangsgröße zu nehmen, weil sie nichts darüber aussagt, wie viele Sets gleichzeitig gebunden sind. Dieser Beitrag beschreibt die Rechnung Schritt für Schritt, zeigt sie an einem Beispiel und benennt die typischen Fehler bei der Umsetzung.
Die drei Ausgangsgrößen
Der erste Wert ist die Anzahl der Einheiten pro Tag, weil jede Einheit ein Set verbraucht. Sinnvoll ist, dabei den stärksten Tag der Woche zugrunde zu legen und nicht den Durchschnitt, weil der Bestand auch an Spitzentagen reichen muss. Der zweite Wert ist die Umlaufzeit, also die Zeit von der Rücknahme bis zur erneuten Verfügbarkeit. Sie umfasst Wartezeit vor dem Waschen, Waschgang, Trocknen, Sortieren und Einlagern und beträgt in vielen Studios ein bis zwei Tage. Der dritte Wert ist der Puffer, der Abweichungen wie ausgefallene Waschgänge oder unerwartet viele Ersttermine abdeckt. Sinnvoll ist ein Puffer in der Größenordnung eines halben bis ganzen Umlaufzyklus. Alle drei Werte sollten gemessen und nicht geschätzt werden. Wie sich die Umlaufzeit ermitteln lässt, beschreibt der Beitrag zu Bestand und Umlauf.
Die Rechnung im Grundsatz
Die Grundrechnung lautet: Einheiten pro Tag multipliziert mit der Umlaufzeit in Tagen, zuzüglich Puffer. Bei zwanzig Einheiten pro Tag und einer Umlaufzeit von einem Tag ergibt das zwanzig gebundene Sets. Verlängert sich die Umlaufzeit auf zwei Tage, sind vierzig Sets gebunden, obwohl sich an der Auslastung nichts geändert hat. Daran zeigt sich, dass die Umlaufzeit der stärkste Hebel ist. Ein Puffer von etwa der Hälfte eines Zyklus ergänzt die Rechnung, im ersten Beispiel also rund zehn Sets. Der Mindestbestand liegt damit bei etwa dreißig Sets. Wichtig ist, dass es sich um vollständige Sets handelt und nicht um Einzelteile. Wer die Rechnung einmal aufstellt, kann sie bei veränderter Auslastung schnell anpassen. Sie ersetzt keine Beobachtung, liefert aber einen belastbaren Ausgangspunkt.
Aufteilung nach Größen
Der berechnete Gesamtbestand muss anschließend auf Größen verteilt werden, und hier scheitern viele Planungen. Eine gleichmäßige Verteilung führt zu Überbeständen in den Randgrößen und Engpässen in der Mitte. Sinnvoll ist deshalb, die tatsächliche Größenverteilung der Mitglieder zu erfassen und den Bestand entsprechend zu gewichten. Erfahrungsgemäß konzentriert sich der Bedarf auf zwei bis drei mittlere Größen, während Randgrößen deutlich seltener gebraucht werden. Wichtig ist trotzdem, Randgrößen überhaupt vorzuhalten, weil sonst im Ersttermin improvisiert wird. Sinnvoll ist ein kleiner Grundbestand je Randgröße plus ein gewichteter Bestand in den häufigen Größen. Die Verteilung sollte jährlich überprüft werden, weil sich die Mitgliederstruktur verändert. Wie sich das ohne Übermengen umsetzen lässt, beschreibt der Beitrag zum Größenbestand ohne Übermengen.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Ein Studio mit fünfzehn Einheiten am stärksten Tag und einer gemessenen Umlaufzeit von eineinhalb Tagen bindet rechnerisch etwa dreiundzwanzig Sets. Mit einem Puffer von etwa acht Sets ergibt sich ein Mindestbestand von rund einunddreißig Sets. Liegt die Größenverteilung bei etwa sechzig Prozent in zwei mittleren Größen und vierzig Prozent verteilt auf die übrigen, entfallen rund achtzehn Sets auf die mittleren Größen. Die restlichen dreizehn Sets verteilen sich auf die weiteren Größen, wobei je Randgröße mindestens zwei Sets vorgehalten werden sollten. Sinnvoll ist, das Ergebnis auf volle Zahlen aufzurunden und nicht abzurunden. Wer die Umlaufzeit auf einen Tag reduziert, senkt den Bedarf im selben Beispiel auf etwa dreiundzwanzig Sets. Diese Rechnung zeigt, dass Prozessverbesserungen unmittelbar Bestand sparen. Sie ist damit auch ein Argument für strukturierte Waschzeitfenster.
Typische Fehler bei der Umsetzung
Fünf Fehler treten bei der Bestandsplanung besonders häufig auf. Der erste ist, die Mitgliederzahl statt der Einheiten pro Tag zugrunde zu legen. Der zweite ist, den Durchschnittstag statt des stärksten Tages zu verwenden, wodurch der Bestand an Spitzentagen nicht reicht. Der dritte ist, die Umlaufzeit zu schätzen statt sie zu messen, wobei sie meist unterschätzt wird. Der vierte ist, den Puffer wegzulassen und ihn erst nach dem ersten Engpass einzuführen. Der fünfte ist, den Bestand gleichmäßig auf alle Größen zu verteilen. Alle fünf lassen sich mit einer einmaligen sauberen Erhebung vermeiden. Sinnvoll ist, die Rechnung schriftlich festzuhalten, damit sie bei veränderter Auslastung nachvollziehbar bleibt. Eine ergänzende Betrachtung aus Mitgliedersicht bietet der Beitrag zu Wechselsets pro Mitglied und Woche.
Für einen berechenbaren Umlauf braucht es Wäsche mit gleichbleibender Passform über viele Waschgänge. Die Agiletics EMS-Wäsche ist darauf ausgelegt; aktuelle Angaben dazu finden sich hier:
Fazit
Der Bedarf an Wechselsets ergibt sich aus drei Werten: Einheiten am stärksten Tag, gemessene Umlaufzeit und Puffer. Die Grundrechnung lautet Einheiten mal Umlaufzeit plus Puffer, wobei die Umlaufzeit der stärkste Hebel ist: Eine Verkürzung um einen Tag senkt den Bedarf erheblich. Der berechnete Gesamtbestand wird anschließend nach der tatsächlichen Größenverteilung gewichtet und nicht gleichmäßig verteilt. Randgrößen brauchen einen kleinen Grundbestand, damit im Ersttermin nicht improvisiert werden muss. Fünf typische Fehler lassen sich mit einer einmaligen sauberen Erhebung vermeiden, allen voran die Verwendung der Mitgliederzahl als Ausgangsgröße. Die Rechnung sollte schriftlich vorliegen und bei veränderter Auslastung angepasst werden.